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Atomausstieg bis 2022 – macht Deutschland einen Rückzieher?

Atomstrom Ausstieg

Nur wenige Tage nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima war man sich im deutschen Kabinett mehrheitlich einig: In Deutschland müsse ein Zeitplan rechtlich verankert werden, nach dem der sukzessive Abbau von Atomkraftanlagen vorangetrieben werden könne. Passenderweise befriedigte diese Absicht nicht nur ein gesellschaftliches Sicherheitsbedürfnis, sondern sollte auch die ohnehin notwendige Energiewende vorantreiben. Bis 2022 sollte hierzulande kein Atomkraftwerk mehr stehen, so der gegenwärtig noch immer gültige Beschluss. Doch kommt jetzt plötzlich alles anders? Am Ende könnten Kosten und klimaschädliches CO2 für ein Umdenken sorgen.

 

Möglicher Ausstieg vom Ausstieg (k)ein Thema

Ohne Zweifel, hinsichtlich potentieller Sicherheitsrisiken steht außer Frage, dass die Energieproduktion über Atomkraft, die sich in monströsen Atomkraftwerken, von denen graue Rauchschwaden aufsteigen, manifestiert, jeden Vergleich mit anderen Möglichkeiten der Energiegewinnung, ohne die das moderne Leben des Menschen nun einmal nicht mehr vorstellbar ist, mit Abstand für sich entscheiden würde. Zumindest in dieser Hinsicht existiert keine Diskussionsgrundlage. Doch Sicherheit ist eben nicht alles.

Gerade im Zuge der Klimadebatte mehren sich öffentliche Aussagen, die den eigentlich gesetzlich nicht umkehrbaren deutschen Ausstieg aus der Atomkraft zumindest zur Disposition stellen – letztlich würden Atomkraftwerke im Vergleich zu beispielsweise Kohlekraftwerken keine klimaschädliche CO2-Emission abgeben, auch wenn diese Behauptung durchaus diskutabel ist.

Befeuert wird die aktuelle Diskussion um einen Ausstieg vom Atomausstieg unter anderem vom Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi, von Joachim Pfeiffer, dem wirtschafts- und energiepolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion oder auch Tilman Kuban, dem Chef der Jungen Union. Doch derlei Bestrebungen werden von anderer Seite nahezu apodiktisch im Keim erstickt.

Umweltministerin Svenja Schulze zählt unter anderem zu denjenigen, die von einer Abkehr vom deutschen Atomausstieg 2022 nichts wissen wollen: „Gerade in Zeiten, in denen einzelne die Atomkraft als vermeintlichen Klima-Retter propagieren, ist es wichtig, zu betonen: Die Atomkraft löst kein einziges Problem, aber sie schafft neue Probleme für eine Million Jahre.“ Zumindest klimapolitische Argumente werden dem Anschein nach für kein Umdenken in Deutschland sorgen können.


Ist Atomausstieg wirtschaftlich zu vertreten?

Michael Kruse, Direktor des Bereichs Energy & Utilities bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little, kommt nach eigenen Studien zu der Meinung. „Wirtschaftlich gesehen kommt der Atomausstieg zum falschen Zeitpunkt. Die Kraftwerke werden zu dem Zeitpunkt abgeschaltet, zu dem sie zuerst mit der Zählung begonnen hätten.“

Es stimmt tatsächlich, dass der Betrieb von Kernkraftwerken im Vergleich als kostengünstig bezeichnet werden kann. Die variablen Kosten pro Megawattstunde werden in der Branche auf unter 15 Euro geschätzt. Zum Vergleich: Die variablen Kosten für Kohleenergie liegen bei mindestens 25 €, für Gas gar noch weitaus höher: bei mindestens 45 €. Vor allem die Kosten für den Bau von Anlagen sind besonders hoch, und es dauert lange, bis die Investitionen vollständig gedeckt sind.

Arthur D. Little errechnete Investitionskosten von 250.000 € pro Megawatt Leistung bei den ersten Kraftwerken und bis zu 1,45 Millionen € für die modernsten deutschen Reaktoren. Eine neue Anlage mit einer Leistung von 1.000 Megawatt würde fast 1,5 Milliarden Euro kosten. Je nach Höhe der Strompreise könnte die Amortisation nach Angaben der Berater bis zu 30 Jahre dauern.

Nach der Entscheidung für den Ausstieg können die Anlagen aber nur durchschnittlich 32 Jahre betrieben werden. In einer Beispielrechnung, in der die Berater variable Betriebskosten von 15 Euro pro Megawattstunde, einen Kapitalkostensatz von drei Prozent und sogar eine Bundesinvestition von 17 Milliarden Euro zugrunde gelegt haben, kommen sie bei den Investitionsausgaben zu einem überraschenden Ergebnis: Die deutsche Atomindustrie würde erst in den 2020er Jahren die Gewinnschwelle erreichen.

Selbst für Unternehmen ergäbe es folglich auch keinen wirtschaftlich gerechtfertigten Sinn, doch auf Kernenergie, anstatt auf alternative Energieproduzenten zu setzen. Bilanzen fielen ferner noch weitaus schlechter aus, hätte die Regierung die Nutzung von Kernenergie in der Vergangenheit nicht bereits durch hohe Subventionen unterstützt. Finanziert wurden diese natürlich aus der Tasche des Steuerzahlers.

Energiemanager beschweren sich nichtsdestotrotz oftmals über die Förderung von Wind- oder Sonnenenergie, profitieren seit Jahrzehnten aber von offenen und versteckten Subventionen für die Kernenergie. So oder so muss es also weiterhin heißen: Atomkraft? Nein, danke.

Abbildung 1: canva.com © urcisxtrime

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